Der traditionsreiche Flohmarkt in der Ladenburger Altstadt ist für viele Bürgerinnen und Bürger ein Highlight im Herbst. Doch in diesem Jahr gibt es eine wesentliche Änderung: Die Anmeldung ist nun ausschließlich online möglich. Während dies für viele eine Erleichterung darstellt, bedeutet es für andere eine unüberwindbare Hürde.
Bislang konnte man sich persönlich in der Verwaltung anmelden. Nun aber zwingt die Umstellung auf ein rein digitales Verfahren all jene, die keinen Zugang zum Internet oder keine Erfahrung mit Online-Formularen haben, faktisch zur Nicht-Teilnahme. Gerade ältere Menschen, sozial Benachteiligte oder technisch weniger versierte Bürgerinnen und Bürger werden so ausgeschlossen.
Der Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe durch ausschließlich digitale Verfahren hat weitreichende Folgen, insbesondere für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Hier sind einige Auswirkungen:
1. Soziale Isolation und Vereinsamung
Menschen ohne digitale Zugänge oder Kompetenzen werden von Veranstaltungen, Dienstleistungen und Informationen ausgeschlossen. Das kann insbesondere für ältere Menschen oder sozial Benachteiligte zu Vereinsamung und sozialer Isolation führen.
2. Ungleichheit und Diskriminierung
Wenn Teilhabe nur noch digital möglich ist, verstärkt das bestehende soziale Ungleichheiten. Menschen mit geringem Einkommen, die sich keine digitalen Geräte oder Internetanschlüsse leisten können, oder Menschen mit Behinderungen, die Schwierigkeiten mit digitalen Systemen haben, werden diskriminiert.
3. Verlust von Mitbestimmung und Demokratieabbau
Wer keinen Zugang zu digitalen Verwaltungsprozessen hat, kann sich nicht mehr an politischen Entscheidungen beteiligen, sei es durch Online-Petitionen, digitale Bürgerversammlungen oder Antragsstellungen. Das schwächt die Demokratie und benachteiligt bestimmte Bevölkerungsgruppen.
4. Wirtschaftliche Nachteile
Viele Dienstleistungen, Bewerbungsprozesse und geschäftliche Aktivitäten finden inzwischen ausschließlich online statt. Wer nicht mithalten kann, hat schlechtere Chancen auf Jobs, Förderungen oder geschäftliche Möglichkeiten.
5. Einschränkung kultureller Teilhabe
Veranstaltungen, Ticketverkäufe oder Mitgliedschaften werden zunehmend digital abgewickelt. Ohne Internet oder entsprechende Kenntnisse bleibt vielen der Zugang zu kulturellen Angeboten verwehrt.
6. Vertrauensverlust in Institutionen
Wenn Verwaltungen oder Organisationen nur noch digital erreichbar sind, fühlen sich viele Menschen abgehängt. Das Vertrauen in Behörden, Politik und öffentliche Einrichtungen kann schwinden, wenn Bürger sich ausgeschlossen oder ignoriert fühlen.
Ein hybrides Modell, das sowohl digitale als auch analoge Zugänge bietet, wäre eine Lösung, um diese negativen Folgen zu vermeiden und gesellschaftliche Teilhabe für alle sicherzustellen.
Die digitale Transformation ist unaufhaltsam und hat viele Vorteile, doch sie darf nicht zu sozialer Ausgrenzung führen. Die Stadt Ladenburg sollte daher dringend eine hybride Lösung anbieten: Die Möglichkeit, sich sowohl online als auch vor Ort in der Verwaltung anzumelden. So bleibt der Flohmarkt ein offenes Ereignis für alle, unabhängig von digitalen Möglichkeiten.
Bürgerinnen und Bürger sollten nicht durch Bürokratie und technologische Hürden von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen werden. Es ist Aufgabe der Gemeinde, alle Menschen mitzunehmen – nicht nur die digital Affinen.
Es bleibt zu hoffen, dass die Stadt Ladenburg diese Entscheidung überdenkt und für eine inklusivere Lösung sorgt. Denn ein Stadtfest wie der Flohmarkt sollte verbinden – und nicht ausgrenzen. Die Befürworter der im Stadtgebiet verteilten symbolträchtigen »halben Bänke gegen Ausgrenzung« sollten es eigentlich besser wissen…