Rede zum Haus­halt – 26. März 2025

Sehr geehr­ter Herr Bür­ger­meis­ter, lie­be Mit­glie­der des Gemein­de­rats, lie­be Mit­bür­ger und Gäs­te. Dies ist die ers­te Haus­halts­re­de der Wäh­ler­ge­mein­schaft „Bür­ger für Laden­burg“, die ich hier als deren Ver­tre­ter im Dom­hof hal­ten darf.

Tja, und sogleich habe ich einen Feh­ler began­gen. Ist er Ihnen auf­ge­fal­len?

Wie war das noch mit der Demo­kra­tie?

Die Bür­ger Laden­burgs sind in die­ser Gemein­de der Sou­ve­rän. Sie ste­hen an ers­ter Stel­le. Die Mit­glie­der des Gemein­de­rats haben die Auf­ga­be, die Inter­es­sen der Bür­ger best­mög­lich zu ver­tre­ten. Sie sol­len ein mün­di­ger Stadt­rat sein. Damit ste­hen sie an zwei­ter Stel­le. Und der Bür­ger­meis­ter ist im Wesent­li­chen mit der Umset­zung der Bür­ger­inter­es­sen und der Ent­schei­dun­gen des Gemein­de­rats beschäf­tigt. Das ist ein sehr ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­be, aber sie kommt in die­ser Rang­fol­ge erst an drit­ter Stel­le.

Ich fan­ge des­halb noch­mal, geord­net nach Wich­tig­keit, an.

Sehr geehr­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger Laden­burgs, lie­be Mit­glie­der des Gemein­de­rats, lie­ber Herr Bür­ger­meis­ter, lie­be Gäs­te. Auch ich begrü­ße Sie herz­lich zu die­ser Sit­zung des Gemein­de­rats.

Die­se Rei­hen­fol­ge ist die rich­ti­ge in einer Demo­kra­tie. Alle Macht geht vom Vol­ke aus. Das soll­te man sich immer wie­der klar zu machen, obwohl es so selbst­ver­ständ­lich ist.

Aber es ist eben nicht selbst­ver­ständ­lich. Das konn­ten wir vor Kur­zem im deut­schen Bun­des­tag erle­ben:

Da ändern drei Par­tei­en mal eben das Grund­ge­setz für ein „Son­der­ver­mö­gen“. Ein irre­füh­ren­der Begriff, denn es han­delt sich um Son­der­schul­den.

Das Volk, der Sou­ve­rän, wird bei die­ser Ent­schei­dung über­haupt nicht gefragt. Das Grund­ge­setz miss­ach­ten die betei­lig­ten Par­tei­en gleich zwei­mal:

Ein­mal beim Recht auf Pri­vat­be­sitz. Das Grund­ge­setz ent­hält die­sen Pas­sus, um die Macht der Mäch­ti­gen zu begren­zen. Die Grün­der­vä­ter waren da wohl sehr wei­se. Aber über den Trick mit dem „Son­der­ver­mö­gen“ ver­schaf­fen sich die drei betei­lig­ten Par­tei­en doch Zugang und ent­eig­nen jeden Ein­zel­nen von uns.

Jetzt sind Sie über­rascht, oder? Sie fra­gen sich, wie­so „Ent­eig­nung“. Ich will Ihnen sagen, wie das funk­tio­niert. Die Son­der­schul­den belau­fen sich auf bis zu 1000 Mil­li­ar­den €. Das sind für jeden Ein­woh­ner in die­sem Land, vom Säug­ling bis zum Greis, ziem­lich genau 12.000 €. Pro Kopf wohl­ge­merkt. Eine vier­köp­fi­ge Fami­lie zahlt somit fast 50.000 €.

Und wie holen sich die betei­lig­ten Par­tei­en das Geld? So, wie sie es immer machen. Sie dru­cken Geld und trei­ben die Infla­ti­on in die Höhe. Sie und ich, alle hier bezah­len die­sen Wahn­sinn. An der Kas­se von Lidl, Pen­ny, Ede­ka und DM.

Und das Schlimms­te ist: Die Struk­tur­pro­ble­me die­ses Lan­des blei­ben bestehen. Sie wer­den nur von Geld über­deckt, das wir nicht haben.

Wei­ter ist der aus­ge­üb­te Frak­ti­ons­zwang der betei­lig­ten Par­tei­en grund­ge­setz­wid­rig. Man stel­le sich vor, einer der Grün­der­vä­ter des Grund­ge­set­zes wäre im Bun­des­tag zuge­gen gewe­sen. Er hat mit fest­ge­legt, dass

1) jeder Par­la­men­ta­ri­er jeden Bür­ger die­ses Lan­des ver­tritt, nicht nur die­je­ni­gen, die ihn gewählt haben, und

2) jeder Par­la­men­ta­ri­er nur sei­nem eige­nen Gewis­sen fol­gen darf

Was die­ser Grün­der­va­ter erlebt, ist ein merk­wür­di­ges Abstim­mungs­ver­hal­ten. Die Abstim­mung erfolgt Block­wei­se. Das war von ihm nie vor­ge­se­hen. Und die weni­gen Par­la­men­ta­ri­er, die ihrem eige­nen Gewis­sen fol­gend nicht zustim­men wol­len, wer­den als Abweich­ler denun­ziert. Dabei tun sie nur das, was das Grund­ge­setz ver­langt.

Das sind die Vor­gän­ge, die den „Bür­gern für Laden­burg“, die mir und ver­mut­lich auch vie­len von Ihnen Sor­gen machen. Ver­spie­len wir so doch schritt­wei­se unse­re Demo­kra­tie.

Ver­su­chen wir also, es in Laden­burg bes­ser zu machen, hier, wo wir es selbst in der Hand haben – zumin­dest teil­wei­se. Die Her­aus­for­de­run­gen, vor denen wir alle ste­hen, kön­nen wir schließ­lich nur gemein­sam lösen.

Las­sen Sie mich zwei aktu­el­le The­men – auch bekannt aus der Bür­ger­meis­ter­wahl – als Bei­spie­le nen­nen, wo das gelin­gen kann.

Apro­pos Bür­ger­meis­ter­wahl. Das Votum der Bür­ger war 53:47 für Herrn Schmutz. Aber sie gehen doch mit mir mit, wenn ich sage: In den nächs­ten 8 Jah­ren ver­tritt der gewähl­te Bür­ger­meis­ter zu 53% die Anlie­gen, die ihm wich­tig waren und 47% die Anlie­gen, die dem nicht gewähl­ten Kan­di­da­ten wich­tig waren. Das ist das Votum des Vol­kes, der Bür­ger Laden­burgs. Herr Schmutz, das sehen Sie doch bestimmt auch so, oder?

Zurück zur Bür­ger­be­tei­li­gung:

Die bis­he­ri­ge Bür­ger­be­tei­li­gung, die Laden­burg den Bür­gern durch­aus anbie­tet, ist erst ein­mal posi­tiv zu sehen. Nur über­wiegt oft Ent­täu­schung über das Ergeb­nis, also die Ent­schei­dung, wie ich in zahl­rei­chen Gesprä­chen mit Mit­bür­gern erfah­ren habe. Und die Betei­li­gung ist recht gering. Vie­le Bür­ger machen nicht mit. Manch­mal fehlt eine Inter­es­sen­grup­pe ganz. So z. B. beim „Innen­stadt­be­ra­ter“ – einer Initia­ti­ve zur Attrak­ti­vi­täts­stei­ge­rung unse­rer Alt­stadt. Gas­tro­no­men fehl­ten bei der Bür­ger­be­tei­li­gung kom­plett. Die meis­ten Teil­neh­mer waren Stadt­rä­te.

Wie kommt das? Ein wesent­li­cher Grund ist: Die Bür­ger ent­schei­den nicht selbst. Ich habe gelernt, dass Men­schen gefragt wer­den wol­len und nicht nur Vor­schlä­ge machen. Sie wol­len selbst ent­schei­den, wenn sie betrof­fen sind. Das erle­ben unse­re Bür­ger bei den bis­he­ri­gen Bür­ger­be­tei­li­gun­gen nicht. Man muss ja nicht gleich einen auf­wen­di­gen Bür­ger­ent­scheid nach Para­graph sowie­so durch­füh­ren. Aber das Stim­mungs­bild der Betrof­fe­nen ein­ho­len und als Gemein­de­rat respek­tie­ren, das soll­te doch mög­lich sein.

Übri­gens könn­ten die Gas­tro­no­men schon allein des­halb gefehlt haben, weil man sie erst gar nicht nach einem pas­sen­den Ter­min gefragt hat.

Ein wei­te­res geeig­ne­tes The­ma für ech­te Betei­li­gung unse­rer Mit­bür­ger an der Ent­schei­dung ist das Ver­kehrs­kon­zept für die Alt­stadt. So recht möch­te nie­mand an die­ses „hei­ße Eisen“ her­an. Es gibt ver­schie­dens­te Inter­es­sen von Bewoh­nern, Gas­tro­no­men, Besu­chern, Gewer­be­trei­ben­den, Laden­in­ha­bern usw. Beliebt macht man sich mit die­sem The­ma als Gemein­de­rat und Bür­ger­meis­ter ver­mut­lich nicht.

Aber auch hier lässt sich eine Lösung fin­den, die alle Inter­es­sen­grup­pen akzep­tie­ren. Wenn man die Betrof­fe­nen ent­schei­den lässt. Oder zumin­dest ein Stim­mungs­bild ein­holt und als Gemein­de­rat akzep­tiert.

Die bis­he­ri­gen Bür­ger­be­tei­li­gun­gen blei­ben natür­lich erhal­ten. Irgend­wo müs­sen die Ideen für mög­li­che Lösungs­al­ter­na­ti­ven ja her­kom­men.

Ich fas­se zusam­men: Die gemein­sam getrof­fe­ne Ent­schei­dung ist das am meis­ten demo­kra­tie- und gemein­schafts­för­dern­de Ele­ment. Las­sen Sie mehr davon zu. Und kon­kret an mei­ne Mit­bür­ger gerich­tet: Betei­li­gen Sie sich an Ent­schei­dun­gen, wenn sie die Stadt mög­lich macht. Ent­schei­den Sie selbst. Das ist Ihr Bei­trag zur Demo­kra­tie auf kom­mu­na­ler Ebe­ne. Das hält Laden­burg zusam­men.

Kom­men wir zum Haus­halt Laden­burg 2025. Die Ver­hand­lun­gen zum Haus­halt sind bei mir mit einem unan­ge­neh­men Gefühl ver­bun­den. Ich bin Neu­ling und viel­leicht noch nicht erfah­ren genug. Jeden­falls gab es zum Haus­halt genau einen Vor­schlag sei­tens der Ver­wal­tung. Lei­der nur einen, kei­ne Alter­na­ti­ven. Und es stell­te sich bald her­aus, war­um. Nie­mand aus der Stadt­ver­wal­tung war in der Lage, eine Alter­na­ti­ve zum Vor­schlag zu nen­nen. Irgend­wie hat mich das an eine Zwangs­la­ge erin­nert.

Ich per­sön­lich gehe davon aus, dass es immer Alter­na­ti­ven gibt. Des­halb bin ich ent­täuscht, dass in den Dis­kus­sio­nen immer irgend­wel­che Zwän­ge genannt wur­den. Wesent­li­che Ände­run­gen gab es nicht. Mag sein, dass zurück­lie­gen­de Ent­schei­dun­gen zu solch einer Lage geführt haben. Ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß ist, dass Schul­den­ma­chen immer auf dem Rücken der Bür­ger geschieht. Ohne Nach­fra­ge. Ein­fach so. Erzwun­gen. Und das mag ich nicht.

Wenn die Bür­ger sagen, ich will dies und das, Schwimm­bad, Musik­schu­le usw. und ich bezah­le das auch durch Infla­ti­on, bin ich ger­ne dabei. Wenn aber die Bür­ger nicht gefragt wer­den, bin ich nicht dabei.

Wir kön­nen dem Haus­halt 2025 des­halb nicht zustim­men.

Las­sen Sie mich zum Schluss noch Dan­ke sagen.

Dan­ke dafür, dass die Bür­ger für Laden­burg in den Gemein­de­rat ein­zie­hen konn­ten.

Dan­ke an die Mit­glie­der des Gemein­de­rats, die uns – Frank Kres­se und mich – wohl­wol­lend und ohne Vor­be­hal­te auf­ge­nom­men haben.

Dan­ke an unse­ren Bür­ger­meis­ter Schmutz und sei­ne Mit­ar­bei­ter aus der Ver­wal­tung, die das Glei­che taten.

Und schließ­lich dan­ke an Sie alle hier im Saal für Ihre Auf­merk­sam­keit – und Geduld.

Vie­len Dank

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